Geschönte Arbeitslosen-Statistik? - DER SPIEGEL
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Geschönte Arbeitslosen-Statistik?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Änderung der Computer-Software in allen Arbeitsämtern nährt unter Experten den Verdacht, dass noch vor der nächsten Bundestagswahl eine große Zahl von Arbeitslosen aus der Statistik fallen soll. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, wird auf Geheiß von Bernhard Jagoda, dem Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit (BA), die neue Software ab Januar so genannte Sozialplan-Arbeitslose separat ausweisen können. Dabei handelt es sich um viele tausend Arbeitnehmer, die über einen Sozialplan aus ihrer Firma ausgeschieden sind. Obwohl offiziell als arbeitssuchend gemeldet, warten die meisten von ihnen nur noch auf den Beginn der Rente. In einigen Arbeitsamtsbezirken wird der Anteil der Sozialplan-Arbeitslosen auf 25 bis 30 Prozent aller Jobsuchenden geschätzt.

In der neuen Computermaske sehen Arbeitsamtsleiter den ersten Schritt, diese Personengruppe aus der Statistik zu streichen - was die BA bestreitet. Für den Versuch, die Arbeitslosenzahl mit neuen Berechnungsmethoden zu drücken, spricht nach Ansicht von Amtschefs auch eine Briefaktion für Arbeitslose ab 58 Jahren: Die Älteren können schriftlich erklären, dass sie nicht vermittelt werden möchten - und fallen dann aus der Statistik. Auf Anweisung der BA hatten die Ämter im vergangenen Halbjahr bei 200.000 Arbeitslosen per Brief nachgehakt, ob sie so eine Erklärung unterschreiben wollten. (DER SPIEGEL 1/01, Trends)