BSE-Spuren nach Holland - DER SPIEGEL
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BSE-Spuren nach Holland

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Experten der Landwirtschaftsministerien in Kiel und Hannover haben industriell hergestellte Kälbernahrung als "wahrscheinlichste Quelle" der BSE-Infektion zumindest in den beiden bislang bestätigten norddeutschen Fällen ausgemacht. Die Ministerialen verfolgen Spuren, die von den betroffenen Bauernhöfen zu zwei Herstellern von so genannten Milchaustauschern führen. Das schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe.

Sowohl der Landwirt Peter Lorenzen aus Hörsten bei Rendsburg als auch der Bauer Hermann Kemper aus Nortrup bei Osnabrück verfütterten Mitte der neunziger Jahre ein Produkt namens "Sprayfo", das die Firma Sloten im niederländischen Deventer herstellt. Beide bezogen die Kälbernahrung von der deutschen Sloten-Tochter Milchfutter GmbH im niedersächsischen Diepholz. Lorenzen meint allerdings, die drei 100-Kilo-Chargen, die er Anfang 1995 geordert hatte, hatte er zum Zeitpunkt der Geburt seiner BSE-Kuh im Juli 1996 bereits aufgebraucht. Kempers im Mai 1996 geborene Kuh aber hat zwischen ihrer fünften und zehnten Lebenswoche Sprayfo bekommen. Zuvor war das Kalb mit einem Milchaustauscher von Nordmilch im niedersächsischen Zeven ernährt worden. Von dort bezieht auch Lorenzen seit einigen Jahren diese Kälbernahrung.

Das Milch-Surrogat wird aus Molke gewonnen, der Fett beigemengt wird - bis Anfang Dezember 2000 auch solche Fette, die in Tierkörperbeseitigungsanstalten unter anderem aus Rinderköpfen gewonnen wurden. Nordmilch behauptet, zur Fett-Extraktion ausschließlich Tiere aus Schlachthöfen zu verwenden. Nach Erkenntnissen der Bezirksregierung Weser-Ems enthielt das Nordmilch-Produkt "Oldenburger Aufzucht" jedoch Fettmischungen, die das Unternehmen von externen Lieferanten bezog, den Fettschmelzern Unkel in Würzburg sowie Harles & Jentsch in Hamburg. Zudem wurde dem Milchaustauscher ein Molkenfett-Konzentrat der niederländischen Firma Borculo und der französischen Bonilait Proteines zugesetzt.

Sloten-Geschäftsführer Gosse Siebenga sagt, sein Unternehmen habe "noch nie Tierfette aus Tiermehlfabriken verarbeitet", man habe die Rohstoffe stets von niederländischen Fettlieferanten bezogen. Für die aber kann sich Sloten nicht verbürgen. (DER SPIEGEL 2/01, Panorama Deutschland)