Polens Außenminister warnt vor zuviel deutscher Selbstgefälligkeit
Der polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski hat eine baldige Lösung bei den deutsch-polnischen Verhandlungen über den künftigen Verbleib so genannter "kriegsbedingt verlagerter Kulturgüter" in Aussicht gestellt. In einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagte Bartoszewski, er stehe wegen dieser Frage "in engem Kontakt zu Joschka Fischer" und wolle das Problem noch in seiner Amtszeit, die spätestens im September endet, lösen. Der 78-jährige Bartoszewski be-tonte, das Thema sei "sehr schwierig". Die Nazis hätten im zweiten Weltkrieg versucht, Polen "kulturell auszulöschen. Das können wir in Polen nicht vergessen." Dennoch wolle er das Problem "in absehbarer Zeit" klären. Gegenüber dem SPIEGEL warnte Bartoszewski auch vor zuviel deutscher Selbstgefäl-ligkeit bei den Feierlichkeiten anläßlich des 300. Jahrestages der Krönung des ersten preußischen Königs. "Ich plädiere für etwas mehr Bescheidenheit, wenn es darum geht, bestimmte Tugenden nur den Preußen zuzuschreiben." sagte Bartoszewski. Pflichtbewußtsein, Verantwortung und Fleiß seien auch polnische Eigenschaften. Bartoszewskis historische Bilanz über Preußen fiel negativ aus. Die politische Vormacht-stellung der Preußen habe den Deutschen kein Glück gebracht, sagte der polnische Außenminister dem SPIEGEL, und seinem Volk habe die "aggressive Politik der Preußen viel Unglück beschert." (DER SPIEGEL 4/01, Seite 85)