Nida-Rümelin verteidigt seine Ansichten zur Embryo-Klonierung - DER SPIEGEL
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Nida-Rümelin verteidigt seine Ansichten zur Embryo-Klonierung

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Der neue Staatsminister für Kultur, Julian Nida-Rümelin, hat seine weiterhin heftig umstrittenen Äußerungen zum therapeutischen Klonen verteidigt. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL erklärte Nida-Rümelin, daß er "ausdrücklich gegen die britische Entscheidung" plädiert habe, Embryo-Klone bis zum 14. Tag für die Medizin freizugeben. Seine Äußerung, Embryonen genössen nicht im vollen Maße Menschenwürde, da sie nicht zur Selbstachtung fähig seien, sei mißverstanden worden.

"Ich habe die Menschenwürde zu keiner Zeit aufweichen oder gar aushebeln wollen", sagte der Staatsminister. Er finde es vielmehr "schwer verständlich" an der gegenwärtigen Abtreibungsregelung, "dass man die straffreie Tötung eines Trägers der Men-schenwürde moralisch akzeptiert." Den Begriff der Menschenwürde habe er nicht ju-ristisch gemeint, sondern im ethischen Sinne verwendet. Er sei überzeugt, "dass das Leben als solches, nicht nur das menschliche, schützenswert ist, ja dass man verpflichtet ist, auf alle empfindenden Lebewesen Rücksicht zu nehmen." Das humanistische Fundament der deutschen Gesellschaft erschöpfe sich nicht darin, verantwortliche Personen zu respektieren. "Unsere Pflichten, auch gegenüber der Natur, gehen sehr viel weiter."

In der Grundsatzfrage des therapeutischen Klonens wollte sich der Staatsminister in-dessen nicht festlegen: Sollten durch das Klonen von Embryonen neue Heilungs-chancen entstehen, so wäre es falsch, "von vornherein zu glauben, man wisse, welche Entscheidung die richtige ist."

Den Streit um seine Äußerungen kritisierte Nida-Rümelin als unsachlich. Er zeige, "dass es mit der Kultur des öffentlichen Diskurses in Deutschland noch nicht sehr weit ist." Er rief dazu auf, "dass wir sachlicher miteinander reden und behutsamer mit unseren normativen Grundbegriffen umgehen." An die Adresse seiner Gegner gerich-tet, sagte Nida-Rümelin: "Wer immer schon weiß, was moralisch richtig ist, braucht keine Abwägungen. So leicht darf es sich ein Politiker nicht machen." (DER SPIEGEL 4/01, Seite 202)