Die Flugbereitschaft der Bundeswehr flog auch für die Regierung Kohl ins Wochenende - DER SPIEGEL
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Die Flugbereitschaft der Bundeswehr flog auch für die Regierung Kohl ins Wochenende

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mitglieder der Regierung Helmut Kohls haben die Flugbereitschaft der Bundeswehr weitaus häufiger für Wochenendflüge genutzt als bislang bekannt ist. Das geht laut einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL aus einem Gutachten des Bundesrechnungshofes hervor. Von 3309 Flügen zwischen dem 1. Januar 1996 und dem 30. Juni 1997, die der Rechnungshof untersuchte, fanden demnach weit mehr als die Hälfte (1819) an Wochenenden statt. In jedem dritten Fall steuerten die Bundeswehr-Jets dabei den Heimatflughafen der Politiker an. Die Prüfer listen auch auf, wie die Flugbereitschaft insgesamt, also auch unter der Woche, von einzelnen Spitzenpolitikern genutzt wurde. Angeführt wird die Liste der Vielflieger von Verteidigungsminister Volker Rühe, der in eineinhalb Jahren 361 mal mit den Jets unterwegs war. Ko-sten: 6,67 Millionen Mark. Die jetzige Bundesregierung, deren Finanzminister Hans Eichel wegen häufiger Inanspruchnahme der Flugbereitschaft derzeit von der Opposition scharf kritisiert wird, hat aus der Kritik des Rechnungshofes bisher keine Konsequenzen gezogen. Auch Scharpings Ankündigung, die Kurz- und Mittelstrecken-Flotte zu privatisieren, scheint nur halbherzig zu sein: So plant der Verteidigungsminister zwar, das Geschäft noch in diesem Monat auszuschreiben, aber seine Militärs wollen mindestens zwei der sechs Challenger-Jets behalten. Die Maschinen, so die Begründung, würden für Krankentransporte der Truppe benötigt. Ein willkommener Nebeneffekt: Die bequemen Ledersessel für die Berliner Polit-Prominenz könnten binnen weniger Stunden wieder eingebaut werden. (DER SPIEGEL 4/01, Panorama Deutschland)