Die Schwierigkeiten der Ermittler im Fall der Geldwäsche bei der WestLB
Im bundesweit bislang größten Fall mutmaßlicher Geldwäsche hat die Westdeutsche Landesbank (WestLB) mehr als ein Jahr lang die Konten mehrerer verdächtiger Firmen auf ausdrückliche Bitte der Ermittlungsbehörden weitergeführt. Das meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Im Mai vergangenen Jahres ersuchte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Bank, die damals mit über 1,5 Milliarden Mark bestückten Konten derjenigen Unternehmen nicht zu kündigen, welche die Ermittler einem internationalen Rohstoffimperium, der Trans-World Gruppe (TWG), zurechnen. Die Kündigung hatte die WestLB erstmals im September 1999 erwogen, nachdem sie von den Behörden zu einer Anzeige wegen Geldwäsche gedrängt worden war. Die so genannte kontrollierte Geldwäsche gilt als höchst umstritten. Ziel der Aktion war es, weitere Erkenntnisse über die möglichen Finanzbeziehungen des TWG-Geflechts zu gewinnen. Mit besten Verbindungen in Russland hatte es die Gruppe zeitweilig zum drittgrößten Aluminium-Imperium der Welt gebracht.
Wie es ab 1997 überhaupt zu der anrüchigen und für die WestLB höchst lukrativen Geschäftsbeziehung kommen konnte, ist für die Ermittler noch immer unerklärlich. Die verdächtigte TWG, zu deren Einflussbereich rund 100 Firmen zählen sollen, war in den vergangenen Jahren immer wieder mit der russischen Mafia in Verbindung gebracht worden. Für zwei der WestLB-Konten soll der zeitweilige TWG-Partner Lev Chernoy verfügungsberechtigt gewesen sein, den das Schweizer Bundesamt für Polizeiwesen schon 1996 in einem öffentlich bekannt gewordenen Dossier schwer belastet hatte. Zu einer Verurteilung kam es aber nie.
Die vermutete Trans-World-Verbindung zur WestLB knüpfte offenbar ein ehemals ranghoher Mitarbeiter des Geldinstituts. Dieser wechselte Anfang 1997 zu einer Bank auf den Bahamas, die Ermittler der Trans-World zurechnen. Zeitweilig soll auch der ausgeschiedene WestLB-Mitarbeiter einer der Verfügungsberechtigten für Teile des in Düsseldorf zumeist als Termingelder angelegten Milliardenvermögens gewesen sein. Trans-World gibt an, "in den vergangenen Jahren keine Bankkonten in Deutschland geführt" zu haben. Auch eine Verwicklung in illegale Geschäfte hat sie ebenso wie Chernoy stets bestritten. In der vergangenen Woche kündigte Trans-World an, man sei bereit, mit den deutschen Behörden zu kooperieren.
Nach Erkenntnissen der Ermittler liefen über die Konten der WestLB seit Juli 1997 rund 3,7 Milliarden Mark. Nochmals mehr als drei Milliarden Mark sollen zusammen genommen über Konten bei der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Com-merzbank geschleust worden sein. Diese erklärten entweder ihnen seien solche Verbindungen nicht bekannt oder verweigerten jede Auskunft. Die Deutsche Bank hat aber zwei Konten zum Ende dieses Monats gekündigt, weil Beziehungen zu Trans-World vermutet wurden.
Mitte November vergangenen Jahres, als die WestLB die Geschäftsbeziehungen zu den verdächtigten Firmen kündigte, lagen bei ihr noch über eine Milliarde Mark. Das Gros davon wurde mittlerweile nach Israel überwiesen, einem Land, das bei der Geldwäschebekämpfung als "nicht kooperativ" gilt.
Nach informeller Rücksprache mit der Bundesregierung hat die Staatsanwaltschaft auf ein Rechtshilfeersuchen an Moskau verzichtet. Dabei gelten die weiteren Ermittlungen ohne Hilfe der russischen Behörden als beinahe aussichtslos. Nur sie können feststellen, ob die Milliarden tatsächlich - wie von der Staatsanwaltschaft vermutet - aus illegalen Geschäften stammen. Wegen möglicher außenpolitischer Verwicklungen diskutierten Experten des Auswärtigen Amtes (AA) im vergangenen Oktober den Fall mit Vertretern der Staatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts. Während das Innenministerium ein solches Treffen bestätigt, wusste man im AA bis Freitag nichts von einem solchen Treffen. Welche Beziehungen Chernoy und die Trans-World Gruppe in die russi-sche Regierungsspitze unterhalten, gilt den Fahndern als undurchsichtig. (DER SPIEGEL 4/01, Panorama Deutschland)