Diepgen ignorierte Warnungen vor Sexualstraftätern - DER SPIEGEL
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Diepgen ignorierte Warnungen vor Sexualstraftätern

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen, der zugleich Justizsenator ist, hat monatelang Warnungen vor freien Sexualstraftätern ignoriert. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. In mehreren drastischen Briefen - lange vor der Entführung des Mädchens Sophia durch einen Sexualstraftäter – hatte einer der führenden deutschen Sexualmediziner, der Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Professor Klaus Beier, Diepgen auf die "akute Gefährdung der Berliner Bevölkerung" hingewiesen.

Wegen mangelhafter Therapie-Möglichkeiten würden potenzielle Kinderschänder und Vergewaltiger unbehandelt auf die Straße gelassen. Bereits am 13. Juli vergangenen Jahres hatte er Diepgen über die "unhaltbare Situation der Diagnostik und Therapie von Sexualstraftätern" in Berlin informiert. Der nächste schwer wiegende Übergriff auf ein Kind oder eine Frau sei nur "eine Frage der Zeit".

Auf den Brief erhielt Beier, der den Senat früher zum Thema Sexualstraftäter beraten hat, erst im Oktober ein im Auftrag Diepgen verfasstes, hinhaltendes Schreiben von Justizstaatssekretär Diethard Rauskolb (CDU). Darauf schrieb Beier erneut und erinnerte den Senat an seine "Fürsorgepflicht". "Wenn ein Feuer ausbricht, muss man handeln und darf sich nicht damit begnügen, die Feuerwehr zu planen."

Wie Beier dem SPIEGEL berichtet, muss auch die von ihm geleitete sexualmedizinische Ambulanz der Charité aus Kapazitätsgründen behandlungswillige Patienten abweisen, darunter sogar Männer, die bereits Sexualstraftaten begangen haben, der Justiz aber noch nicht bekannt sind. Für sie fehle in Berlin das ausgebildete Personal. Laut SPIEGEL ist die Zahl der polizeilich registrierten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in Berlin seit 1995 um 54 Prozent gestiegen. (DER SPIEGEL 5/01, Seite 52)