Neue Vorwürfe im Zusammenhang mit Fischers Algier-Reise
Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuesten Ausgabe. Volmer hatte in der Fragestunde des Bundestages am vergangenen Mittwoch gesagt, Fischer habe "auch früher als Privatmann nicht die geringste Tendenz gezeigt, das Existenzrecht Israels in Zweifel zu ziehen".
Michael Schwiedrzik, damals einer von fünf deutschen Delegierten, erklärte gegenüber dem SPIEGEL, es sei klar gewesen, dass es auf der Konferenz "um die 'Befreiung Palästinas' im bewaffneten Kampf" ging: "Wir waren radikal - und unverantwortlich. Vor allem was die Steigerung von Kampfformen anging, kannte unsere Phantasie keine Grenzen." Noch im Jahre 1984 hatte Schwiedrzik wegen der Teilnahme an dem Kongress Schwierigkeiten, ein Visum für die USA zu bekommen. Der Konsularbeamte, so Schwiedrzik gegenüber dem SPIEGEL, habe ihn einem regelrechten Verhör unterzogen und sei präzise über Details der Veranstaltung informiert gewesen. Dann habe er den Antrag abgelehnt. Erst nach einem Bittbrief an den US-Botschafter in der Bundesrepublik sei ihm die Erlaubnis zur Einreise erteilt worden.
Inge Presser, die einzige Frau in der SDS-Delegation, widerspricht Volmers Einlassung, Fischer habe der Abschlußerklärung des Kongresses, in der vom "Endsieg" der Palästinenser über Israel die Rede war, nicht zugestimmt. Der Staatsminister hatte im Bundestag erklärt, Fischer habe "diese Veranstaltung nach cirka einer Stunde verlassen, weil sie ihm zu langweilig war." Inge Presser gegenüber dem SPIEGEL: "Fischer war, als die Resolution verlesen wurde, von Anfang bis Ende dabei."
Mittlerweile nahm sogar der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Michaelis, die Volmer-Version zurück. Der Staatsminister sei von Fischer nicht detailliert über den Verlauf des PLO-Solidaritätskongresses informiert worden.