Aufruhr in der Adenauer-Stiftung
Einen Monat vor seiner Wiederwahl im Amt am 30. März sieht sich der Generalsekretär der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Wilhelm Staudacher, mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL meldet, haben sich zwei KAS-Mitarbeiterinnen über Staudacher bei der Frauenbeauftragten der Stiftung, Renate Kremer, wegen sexueller Belästigung beschwert. Obwohl Kremer den KAS-Vorstandsvorsitzenden Günter Rinsche und ein weiteres Vorstandsmitglied vor Wochen über die Beschwerden der Frauen informiert hatte, blieb der Vorgang ohne Folgen. Rinsche begründet das mit dem Hinweis: "Nachdem Frau Kremer mir die Beschwerden über das Verhalten Staudachers auf Nachfrage mitgeteilt hatte, forderte ich sie auf, die Namen der Betroffenen zu nennen." Die Frauenbeauftragte habe das unter Hinweis auf den Vertrauensschutz abgelehnt. Staudacher, Chef des Bundespräsidialamts unter Roman Herzog, habe ihm versichert, keine "Handgreiflichkeiten" begangen zu haben. Der Generalsekretär sei, so Rinsche, vom Vorstand bereits mehrmals aufgefordert worden, seine "rüpeligen Ansprech-Methoden" bei Frauen zu unterlassen.
Staudacher weist die Anschuldigungen zurück: "Da ist nichts dran. Ich habe vor einigen Wochen die Beschwerden vernommen. Sie wurden von mir und vom Vorstandsvorsitzenden aber nicht als offizieller Vorgang, sondern nur als beiläufige Information gewertet." Renate Kremer habe die Vorwürfe nie präzisiert.
Bereits auf einer Mitarbeiterversammlung am 4. September 2000 hatte Kremer von "sexueller Belästigung am Arbeitsplatz" in der Adenauer-Stiftung berichtet. Staudachers Stellvertreter Josef Thesing forderte Kremer daraufhin vergeblich auf, Ross und Reiter zu nennen. Anwesenden war jedoch klar, dass Staudacher gemeint war.
Kremer lehnt öffentliche Stellungnahmen ab. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, Vorstandsmitglied der Stiftung, hält sich bedeckt. Der Vorgang sei Sache der Stiftung. Leitende KAS-Mitarbeiter erwarten jetzt, dass ein Konkurrent Staudacher in letzter Minute die Wiederwahl streitig machen wird. Der künftige Chef der Stiftung, Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel, favorisiere Christoph Böhr, den derzeitigen CDU-Oppositionsführer in Rheinland Pfalz, ein politisches Ziehkind von Helmut Kohl. Ob Böhr und Vogel gemeinsam in die Stiftung einziehen können, entscheidet sich bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz am 25. März: Scheitert Böhr an Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), wie Umfragen voraussagen, hat er noch Zeit, seine Bewerbung anzumelden. "Für uns wäre das ein Traum-Szenario", heißt es in der Stiftung. Böhr sagt drei Wochen vor der Wahl: "Ich weiß, dass ich für viele der Traumkandidat bin, stehe aber nicht zur Verfügung." (DER SPIEGEL 10/01, Panorama Deutschland)