Keine Atomraketen in Kaliningrad - behauptet Gouverneur Jegorow
In der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad gebe es keine Atomraketen mehr, lediglich taktische Raketen ohne Nuklearsprengköpfe seien noch in dem Gebiet stationiert. Das versicherte der neue Gouverneur von Kaliningrad, Admiral Wladimir Jegorow, in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Jegorow, der gleichzei-tig als Befehlshaber der Baltischen Flotte amtiert, wies die aus amerikanischen Geheimdienstquellen lancierten Meldungen als "böswillige Gerüchte" zurück. Immer, wenn eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union in puncto Kaliningrad in Sicht sei, würden von außen Misstrauen und Verdächtigungen gesät, so der Admiral. Die militärische Situation im Kaliningrader Gebiet sei transparent, zu den jährlichen Übungsschießen mit taktischen Raketen würden regelmäßig Beobachter und Journalisten eingeladen. Gegenüber dem SPIEGEL kündigte der Gouverneur an, dass die Truppenstärke in der Exklave bis zum Jahr 2003 von der-zeit noch 25000 Mann auf gut 16000 reduziert werde.
Das Gebiet von Kaliningrad, das frühere nördliche Ostpreußen, werde für weitere zehn Jahre seine Privilegien als russische Sonderwirtschaftszone behalten, bekräftigte Jegorow. Dadurch solle die Region wirtschaftlich dem Niveau der Nachbarn Polen und Litauen angeglichen werden - weil Kaliningrad mit deren Aufnahme in die Europäi-sche Union endgültig zu einem isolierten Vorposten Russlands wird.
Moskau hatte zu Jahresbeginn die Abschaffung der Sonderprivilegien Kaliningrads verfügt und damit Massenproteste ausgelöst, ausländische Investoren drohten mit Abwanderung. Auf einer Regierungssitzung am 22. März soll nun die Kehrtwende voll-zogen werden. Auch mit der Europäischen Union werde bereits detailliert über einen künftigen Sonderstatus des Gebietes verhandelt, so Gouverneur Jegorow gegenüber dem SPIEGEL; in Abstimmung mit Bundeskanzler Schröder treibt der schwedische Ministerpräsident und derzeitige EU-Ratspräsident Persson die Konsultationen voran.
Jegorow forderte den Westen auf, mehr in die Region zu investieren, sich am Ausbau der Grenzübergänge zu beteiligen und auch am Kampf gegen die dramatische Aus-breitung von Aids, Tuberkulose und Drogen in und um Kaliningrad. (DER SPIEGEL 11/01, Seite 152)