Enteignungsopfer in Ostdeutschland müssen noch Jahre auf Entschädigung warten
Die Mehrzahl der ehemaligen Grundbesitzer in Ostdeutschland werden trotz der Zusagen der Bundesregierung, sie für die Enteignungen durch die Sowjets und die DDR zügig zu entschädigen, wohl noch Jahrzehnte auf ihr Geld warten müssen. Dies geht, wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, aus Berechnungen der Status Vermögensverwaltung hervor, einer Hamburger Gesellschaft, die rund zehntausend Enteignungsopfer als Kunden betreut.
Ursprünglich hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel für die Entschädigung 12,6 Milliarden Mark eingeplant, die eigentlich ab 2004 in fünf Jahresraten ausgezahlt werden sollten. Doch die Ämter, die auf Kreis- und Landesebene offene Vermögensfragen regeln, bearbeiten die Anträge derzeit so schleppend, dass pro Monat gerade mal 425 Entschädigungsopfer zu ihrem Recht kommen; nach Regierungsschätzung gibt es insgesamt 500.000 bis 700.000 unerledigte Fälle. "Bei diesem schleppenden Bearbeitungstempo", sagte Status-Geschäftsführer Daniel Talleur dem SPIEGEL, "erhalten die letzten Enteignungsopfer erst in hundert Jahren ihre Entschädigung." Für den Finanzminister hat diese Langsamkeit einen schönen Nebeneffekt: Eichel spart zunächst mehrere Milliarden Mark. (DER SPIEGEL 11/01, Trends)