Bundesregierung probt erstmals den Cyber-Krieg - DER SPIEGEL
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Bundesregierung probt erstmals den Cyber-Krieg

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Bundesrepublik soll erstmals ein über das Internet geführter Krieg, der so ge-nannte "Cyberwar", geprobt werden. Bei einem Planspiel, an dem sich auch das Bundesinnenministerium beteiligt, wollen Behörden und Großunternehmen noch in die-sem Jahr nach US-amerikanischem Vorbild einen koordinierten Angriff auf deutsche Rechnersysteme simulieren, schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe.

Das Szenario sieht laut SPIEGEL vor, dass eine "mafiose, international operierende Gruppe" Deutschland zwingen will, seine "militärischen Kontingente aus dem Kosovo zurückzuziehen". Um dieses Ziel zu erreichen, dringt die Bande zunächst in die Rechner eines Berliner Energieversorgungsunternehmens ein und lege "für mehrere Stun-den das gesamte Stromnetz lahm".

Während die Mitspieler, darunter Experten der Polizei, der Telekom und des Innenmi-nisteriums, noch versuchen, den Schaden zu beheben, sabotieren die Angreifer schon weite Teile des Telefonnetzes der Hauptstadt, heißt es in dem Strategiepapier weiter. Speziell programmierte Computer sollen durch Dauerwahl Telefone blockieren, ein eingeschleuster Täter wird das Rechenzentrum einer Großbank lahm legen.

Die in dem Drehbuch skizzierten Konsequenzen wären dramatisch. "Die Ereignisse lösen über Folgewirkungen den vorübergehenden Zusammenbruch des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens aus", heißt es in dem Szenario. Verkehr und Telefonnetz brechen zusammen, die Flugsicherung fällt aus. Laut SPIEGEL soll das Planspiel vor allem die Erkenntnis fördern, dass im Krisenfall in einer computervernetzten Welt Staat und Wirtschaft voneinander abhängig sind und deshalb eng zusammenarbeiten müssen. (DER SPIEGEL 11/01, Seite 118)