Streit um Buch eines Mitarbeiters der Gauck-Behörde - DER SPIEGEL
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Streit um Buch eines Mitarbeiters der Gauck-Behörde

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Leipziger Buchmesse erlebt am Donnerstag eine Premiere der besonderen Art. Der Propyläen-Verlag hat zur Vorstellung eines Buches über die Verbindungen von West-Journalisten und Stasi geladen: Der Autor persönlich werde Rede und Antwort stehen. Doch der Historiker Hubertus Knabe wird zwar vor Ort sein - aber nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL schweigen. Denn am selben Tag entscheidet ein Berliner Arbeitsgericht über das Schicksal des Werkes. Autor Knabe ist noch Mitarbeiter der Gauck-Behörde, die von ihm den Nachweis verlangt, mit dem Werk nicht gegen die Veröffentlichungs-Richtlinien für Stasi-Akten verstoßen zu haben. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich hatte Knabe Zugang zu allen Unterlagen.

Das Buch mit dem Titel "Der diskrete Charme der DDR", dessen Veröffentlichung die Behörde per einstweiliger Verfügung vorerst verhindern will, behandelt detailliert die Verstrickungen von Westjournalisten - etwa, wie Redakteure als heimliche Botschafter der Bonner Parteien fungierten und dabei so intensive Beziehungen zu Funktionären und Geheimdienstagenten entwickelten, dass sie die Grenzen zur Spionage überschritten. Knabe beschreibt neben zahlreichen Fälle von "Inoffiziellen Mitarbeitern" in den Redaktionen auch, wie die Anti-Springer-Kampagne durch die Stasi gesteuert und die "Taz" als linker Feind der DDR "bearbeitet" wurde. (DER SPIEGEL 12/01, Panorama Deutschland)