Gabriel sieht in Atomtransporten Gefahr für die Demokratie
Der niedersächsische Ministerpräsident Siegmar Gabriel (SPD) fordert eine massive Reduzierung der Castor-Transporte nach Gorleben. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL forderte Gabriel "endlich eine Verteilung der Entsorgungslasten auf alle Bundesländer". Der "Energiekonsens" sei durch einen neuen "Entsorgungskonsens" zu ergänzen. Künftig solle der Atommüll direkt bei den Kernkraftwerken in "dezentralen Zwischenlägern" untergebracht werden. Gabriel: "Wer die Atomenergie so super findet, soll auch seinen Müll übernehmen."
"Wenn wir die geplanten 157 weiteren Castoren bis 2010 durchboxen", so Gabriel weiter im SPIEGEL, "wird es zu einer Radikalisierung des Protestes und zu bislang unbekannten Märtyreraktionen kommen. Davor kann ich nur warnen." Er sei "nicht Ministerpräsident geworden, um permanent Belagerungszustände zu organisieren". Weitere Transporte nach Gorleben gefährdeten den Landfrieden und ließen die Mahnungen von Robert Jungk wahr werden, dass ein solcher Atomstaat die Demokratie zerstört." Für Gabriel ist Gorleben als Endlager "politisch nicht durchsetzbar", da die Proteste nicht abflauen" würden. Im Wendland hätten "Politiker jedes Vertrauen in der Bevölkerung verloren". Ihn bedrücke, dass die jungen Menschen "den Staat als Castortransport und Wasserwerfer erleben, der sie von der Straße spritzt". (SPIEGEL 14/2001, Seite 34)