Schily sieht "enorme Gefahren" durch islamistische Terroristen in Deutschland - DER SPIEGEL
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Schily sieht "enorme Gefahren" durch islamistische Terroristen in Deutschland

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach der Verhaftung mutmaßlicher islamistischer Terroristen in Frankfurt ist die Bundesregierung um die Sicherheitslage in Deutschland besorgt. Innenminister Otto Schily (SPD) sagte dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, er sehe "enorme Gefahren". Die Regierung werde "höchste Anstrengungen unternehmen, um die Strukturen dieser international verzweigten Gruppen aufzuklären". Weiter sagte Schily: "Wir haben noch längst nicht das volle Bild."

Wie DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet, hat die Bundesanwaltschaft bisher nur einen Teil der mutmaßlichen Bandenmitglieder verhaften können. Mindestens vier weitere würden noch gesucht. Nach den Durchsuchungen der vergangenen Woche seien zudem gegen vier weitere in Deutschland lebende Nordafrikaner Verfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet worden. Insgesamt gebe es damit jetzt 13 Beschuldigte.

Zu weiteren bisher nicht identifizierten Islamisten könnten laut SPIEGEL mehrere von der italienischen Polizei abgehörte Telefonate führen. So sei bei einem der belauschten Gespräche von einem Mann die Rede gewesen, den in Deutschland niemand kenne, weil er immer auf Reisen sei. Weiter hieß es in dem Gespräch: "Er wurde erbarmungslos abgerichtet. Er ist wie ein Knopf, man braucht ihn nur zu drücken für jegliche Aktion."

Nach Erkenntnissen der Fahnder handelt es sich bei einigen der mutmaßlichen Unterstützer des international als Top-Terroristen gesuchten Ussama Bin Laden um in Deutschland lebende Asylbewerber. Teilweise hätten sie sich ihrer drohenden Abschiebung entzogen. Einer der jetzt Inhaftierten habe zudem gestanden, mit Drogen gehandelt zu haben.

Laut SPIEGEL finanzierten die Verhafteten die Vorbereitungen für einen offenbar geplanten Anschlag in Straßburg mit Hilfe gefälschter und gestohlener Kreditkarten. Mit diesen seien etwa die für die Bombenherstellung benötigten Chemikalien bezahlt worden.

Der Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Ernst Uhrlau, wertete das Auftauchen der Bin-Laden-Gruppe in Deutschland als "unsere größte terroristische Herausforderung".