Künftig Noten für Diplomaten? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Künftig Noten für Diplomaten?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Auswärtige Amt (AA) will seinen Botschaftern künftig Zensuren für ihre Berichterstattung an die Berliner Zentrale erteilen. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe. Hintergrund: Nach einer Analyse der „AG Aufgabenkritik“ des AA fehlt es vielen deutschen Diplomaten an der Fähigkeit, sich in ihren regelmäßigen Berichten an Berlin „auf wesentliche Informationen“ zu beschränken, eine „verständliche Gliederung“ zustande zu bringen, die „Vermischung unterschiedlicher Themen“ zu vermeiden oder auf die „klare Trennung von Informationen und Wertungen“ zu achten.


Um diese und andere Mängel wie schwammigen Schreibstil und zu große Verteiler auszumerzen, sollen die Diplomaten künftig eine Rückmeldung mit der drohenden Kopfzeile „Der Bericht Nr. ... ist uns aufgefallen“ erhalten. Darunter findet sich in elf verschiedenen Kategorien neben Platz für Fleißbienchen auch Raum für diplomatisch verklausulierte Ohrfeigen („Hier besteht noch Verbesserungsbedarf“). Eine Art Kopfnote ist ebenfalls vorgesehen. Im Außenministerium sieht man in dem neuen Verfahren laut SPIEGEL eine „hilfreiche Orientierung für die eigenen Diplomaten, nicht „Gängelei oder destruktive Kritik“. Es gehe, verteidigt ein aktuelles Rundschreiben an die diplomatischen Vertretungen die Maßnahme, keinesfalls „um neue Leistungskontrolle, Schönheitswettbewerb oder Maßregelung durch die Zentrale“.