Streit im Vatikan
Zwischen dem Vatikan und der 1999 von ihm selbst eingesetzten jüdisch-katholischen Historikerkommission, die das Verhalten von Papst Pius XII. im Zweiten Weltkrieg untersuchen soll, bahnt sich ein heftiger Streit an. Ein vor einem halben Jahr dem Vatikan übermittelter Fragenkatalog sei bisher nicht beantwortet worden, klagt das Kommissionsmitglied Robert Wistrich, Professor für Moderne Europäische und Jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Es gebe auch keinerlei Reaktion in Form eines Zwischenbescheides, sagte Wistrich dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, dies sei sehr enttäuschend.
Der Jesuitenpater Peter Gumpel, der die Seligsprechung von Pius betreibt, halte die Mitlieder der Kommission offenbar für Störenfriede, so Wistrich weiter. Gumpel wittert eine Kampagne gegen die katholische Kirche im Allgemeinen und den Vatikan und den Papst im Besonderen.
Um sich ein korrektes Bild machen zu können, müsse die Kommission Zugang zum Vatikanarchiv bekommen, forderte Wistrich. Der Archivdirektor aber schiebe technische Gründe vor, um dies zu verhindern. Er habe erklärt, es gebe zu wenig Personal, außerdem seien die Akten noch nicht inventarisiert. Gumpel versuche, so Wistrich weiter, unser Vorhaben zu sabotieren. Er sagt klipp und klar, dass er eine Recherche für nicht wünschenswert halte, er hoffe sehr, dass uns das Archiv im Interesse der Kirche versperrt bleibt. Nur Papst Johannes Paul II. könne jetzt helfen.
Wistrich zum SPIEGEL: Er muss eingreifen, er muss die wichtige Angelegenheit zur Chefsache erklären. Falls der Vatikan seine eigene Initiative torpedieren würde, wer auf der Welt könnte das verstehen?