Forscher warnt vor "dramatischen Konsequenzen" der Abwanderung aus Ostdeutschland
Der Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung der Universität Bielefeld, Herwig Birg, hat vor den Folgen der Abwanderung aus Ostdeutschland gewarnt und ostdeutschen Politikern Ignoranz gegenüber der Bevölkerungsentwicklung vorgeworfen. "Bis zur Jahrhundertmitte", so Birg in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, "wird sich die Zahl der Erwerbspersonen halbieren." Bewahrheite sich diese Prognose, wäre das ein geschichtliches Novum in Friedenszeiten. Birg: "Das letzte Mal gab es dieses Phänomen im Dreißigjährigen Krieg."
Ostdeutschland drohten, so Birg im SPIEGEL, "dramatische Konsequenzen". Von der Abwanderung habe der Westen Deutschlands in den letzten Jahren profitiert, besonders Baden-Württemberg und Bayern. "Überdurchschnittliche Einkommen und die niedrige Arbeitslosenquote dort beruhen auch auf den Leistungen der Wanderer."
Hart geht Birg vor allem mit der Regierung Mecklenburg-Vorpommerns ins Gericht. Dem Wissenschaftsministerium des Landes wirft er "arrogantes Desinteresse" an den demografischen Fakten vor. "Den Leuten in Mecklenburg-Vorpommern tut die Regierung aber keinen Gefallen, wenn sie noch immer eine blühende Zukunft verspricht." (DER SPIEGEL 17/2001, Seite 28)