DIW-Chef für offenen Arbeitsmarkt nach Ost-Erweiterung
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, plädiert in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL dafür, nach der EU-Erweiterung zuwandernden Menschen aus Osteuropa uneingeschränkte Arbeitserlaubnis zu erteilen. "Ich plädiere für die völlige Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts", sagte Zimmermann dem Blatt.
Ein Arbeitsverbot für sieben Jahre, wie es Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber gefordert haben, lehnt der DIW-Chef ab. Damit würden genau jene Arbeitskräfte ausgesperrt, die Deutschland dringend brauche, nämlich gut ausgebildete und hochqualifizierte Fachleute. "Deutschland kann es sich nicht leisten, auch diese Menschen an Amerika zu verlieren."
Zimmermann widersprach der Annahme, die einwandernden Arbeitskräfte würden die angestammten Arbeitnehmer aus ihren Jobs drängen. Die Neuankömmlinge suchten sich Nischen auf dem Arbeitsmarkt, die für viele Einheimische überhaupt nicht mehr in Frage kämen. Der Wirtschaftswissenschaftler sagte, ein Arbeitsverbot für die Menschen aus Osteuropa sei sogar schädlich. Könnten die Menschen nicht von Ost nach West, dann wanderten insbesondere arbeitsintensive Produktionen von West nach Ost, "mit der Folge, dass in Deutschland Jobs verloren gehen". (DER SPIEGEL 17/2001, Trends)