Umfrage: Merkels Stern sinkt weiter
Nur noch 48 Prozent der wahlberechtigten Deutschen wünschen sich, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel künftig eine "wichtige Rolle" in der Politik spielt. Das ergab eine Umfrage des Bielefelder Emnid-Instituts im Auftrag des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL (28.-30 April 2001, rund 1000 Befragte). Vor einem Jahr waren es noch 78 Prozent gewesen. Bei den CDU/CSU-Sympathisanten sanken die Werte innerhalb eines Jahres von 91 auf derzeit 69 Prozent. Spitzenreiter auf der Leiter der Politiker, denen die Wähler "eine wichtige Rolle" wünschen, sind Bundeskanzler Gerhard Schröder (68 Prozent), Außenminister Joschka Fischer (66 Prozent) und die neue Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (53 Prozent).
Der Verlust der Werte für Angela Merkel steht im Gegensatz zu einer Reihe anderer Ergebnisse der SPIEGEL-Umfrage, die auf einen schleichenden Vertrauensverlust der Regierungsparteien hindeuten. So waren im Dezember 2000 noch 56 Prozent der Wähler angetan gewesen von den Anstrengungen der Regierung Schröder im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Über 45 Prozent im Februar sank der Wert auf gegenwärtig 36 Prozent.
Anders als die Parteichefin konnte die CDU/CSU ein wenig vom Meinungswandel profitieren: 24 Prozent der Befragten sehen eine positive politische Entwicklung für die Christdemokraten - gegenüber nur 18 Prozent im Februar. Die SPD dagegen rutschte leicht von 53 auf 49 Prozent.
Die Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?") sieht die SPD mit 41 Prozent vor der CDU (36 Prozent), der FDP und den Grünen mit je 7 Prozent und der PDS mit 5 Prozent.
Eine eindeutige Mehrheit (66 zu 30 Prozent) gab es für eine stärkere finanzielle Unterstützung der neuen Bundesländer.
Sehr differenziert äußern sich die Wähler zur Erweitung der Europäischen Union. Für 10 der 13 Beitrittskandidaten ergibt sich eine Mehrheit (an der Spitze 80 Prozent für Ungarn, 68 Prozent für die Tschechische Republik, 67 Prozent für Malta); bei Bulgarien halten sich Befürworter und Gegner einer Aufnahme in die EU die Waage, die Türkei (40 Prozent) und Rumänien (32 Prozent) will nur eine Minderheit in der EU sehen.