Wende im Fall Holzmann
Der Vorstand der Philipp Holzmann AG ist vom Aufsichtsrat befugt worden, nun auch gegen den bis Ende 1999 amtierenden Vorstandschef Heinrich Binder Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe. Hintergrund für den Aufsichtsratsbeschluss sind die Berichte der Wirtschaftsprüfer für das Geschäftsjahr 1999, die dem SPIEGEL vorliegen.
Binder musste Anfang November 1999 ungedeckte Risiken in Höhe 2,4 Milliarden Mark bekannt geben - und machte dafür seine Vorgänger verantwortlich. Doch die Berichte belasten nun Binder selbst in erheblichem Maße. In den Papieren werden ihm und seinen Kollegen unter anderem "ergebnisverbessernde Eingriffe" vorgeworfen. Die Manager hätten in zahlreichen Fällen Ergebnisbelastungen unterdrückt sowie negative Entwicklungen schlichtweg ignoriert.
So wiesen die Vorstände den prognostizierten Verlust einer Niederlassung als "nicht vertretbar und nicht kommunizierbar" zurück - und verlangten ein ausgeglichenes Ergebnis, was sie, auf dem Papier, auch erhielten. Bei den Holzmann Projekten Sun Flower Tower und City Carrée Magdeburg hätten die Manager zudem notwendige Teilwertberichtigungen einfach ignoriert - oder als neue, plötzlich aufgetauchte Risiken deklariert.
Außerdem hätten die Manager wesentliche Risiken der Gesellschaft lange vor allen Sonderprüfungen und Risikoabfragen gekannt, schreibt DER SPIEGEL unter Berufung auf die Berichte.