PDS will in ostdeutschen Ländern eigene Ministerpräsidenten-Kandidaten aufstellen
Die PDS strebt in allen ostdeutschen Ländern und in Berlin Regierungsbündnisse mit der SPD an. Dies erklärte PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Dabei werde die PDS nicht "a priori" einen SPD-Ministerpräsidenten wählen. In Thüringen und Sachsen werde die Partei möglicherweise "eigene Kandidaten für das Spitzenamt" aufstellen. Bartsch will, dass die PDS zu einem "Machtfaktor in dieser Republik wird, an dem kein Kanzler vorbeikommt. Was meinen Sie, zu welchen Kompromissen Schröder erst einmal fähig ist, wenn er es im Bundesrat mit einem Block von fünf oder sechs SPD/PDS-Ländern zu tun hat", fragte Bartsch. Scharf ging Bartsch mit den Ultralinken seiner Partei ins Gericht: Er finde es "einfach unverschämt", wenn sie für sich selbst den Anspruch erhöben, die Linken zu sein. Eine Gruppe um den Bundestagsabgeordneten Winfried Wolf, die dem Programmentwurf der Parteispitze einen eigenen entgegen gesetzt hatte, bezeichnete Bartsch als Anhänger des Trotzkismus.
Teilen der Parteibasis warf Bartsch vor, noch immer Vorbehalte gegenüber den Sozialdemokraten zu haben. Dies sei auch in der jüngsten Debatte um die PDS-Entschuldigung für die Gewalt bei der Vereinigung von SPD und KPD angeklungen. Die Entschuldigung habe die "Seele" der Partei getroffen. Deswegen auf eine Erklärung zum 40. Jahrestags des Mauerbaus zu verzichten, lehnte Bartsch trotzdem kategorisch ab: "Das kommt überhaupt nicht in die Tüte." (DER SPIEGEL 20/01, Seite 62)