Oberster Zollfahnder unter Verdacht
Deutschlands höchster Zollfahnder wird verdächtigt, in den organisierten Zigarettenschmuggel verwickelt zu sein. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, hat die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Stade das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen mit Ermittlungen gegen Ministerialrat Uwe W. wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und des Verrats von Dienstgeheimnissen beauftragt. Der Referatsleiter im Bundesfinanzministerium W. ist Chef aller Zollfahnder und damit auch zuständig für sämtliche Ermittlungen im Bereich Zigarettenschmuggel.
Im März hatten Zollkriminalbeamte gegen einen mutmaßlichen Großschmuggler ermit-telt und dabei den Betrieb des Zigarettenherstellers Reemtsma in Hamburg durchsucht (SPIEGEL 13/2001). Dort stellten sie Beweise sicher, die den Verdacht auf W. lenkten. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob W. die Firma Reemtsma warnte und darüber hinaus sogar Beihilfe zum Zigarettenschmuggel leistete. In dem Verfahren geht es um gewerbsmäßigen Schmuggel, der Steuerausfälle von mindestens sechs Millionen Mark verursacht haben soll. Nach Auskunft eines Sprechers des Finanzministeriums wurde bereits ein Disziplinarverfahren gegen den Ministerialrat eingeleitet. Bislang gebe es aber keine Anhaltspunkte, die den Verdacht bestätigten. W. selbst konnte nicht befragt werden; er ist seit der Durchsuchung seines Büros krankgeschrieben.
Der Verdacht bringt auch die Änderungen, die W. im Zollfahndungsdienst durchsetzte, in ein bedenkliches Licht. Fahnder beklagen, dass seit seinem Amtsantritt der Fahndungsdienst zerschlagen und Ermittlungen gegen den organisierten Zigarettenschmuggel torpediert worden seien. (DER SPIEGEL 20/01, Panorama Deutschland)