Peinlicher Widerspruch bei der Stiftungsinitiative
Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter hat sich im Streit um die Zinsgewinne in einen peinlichen Widerspruch hineinmanövriert. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Noch vor einem Jahr hatte der Chef der Stiftungsinitiative, Manfred Gentz, im Innenausschuss des Bundestags zum Entschädigungsanteil der Wirtschaft erklärt: "Die fünf Milliarden Mark sollen nicht durch Zinsen generiert werden, sondern sie sollen originär durch Beiträge erwirtschaftet werden." Nun verkündet sein eigener Sprecher, Wolfgang Gibowski, das Gegenteil: Er stellte fest, die Zinsen würden auch dazu verwendet, den noch nicht erreichten Entschädigungsbeitrag von fünf Milliarden Mark aufzubringen.
Mögliche Überschüsse, die über jene 100 Millionen Mark Zinsgewinn hinausgehen, die die Wirtschaftsinitiative der Bundesstiftung vertraglich zugesichert hatte, "gehören nicht den Opfern, sondern denjenigen, die das Kapital eingezahlt haben", sagte Gibowski. "Dieses Verhalten ist nicht im Sinne der Spender", kritisierte Wolfgang Bosbach, Vize-Fraktionschef der Union im Bundestag, die Aussagen des Stiftungssprechers. (DER SPIEGEL 22/01, Panorama Deutschland)