Betrug bei Europol?
Die europäische Polizeibehörde Europol mit Sitz in Den Haag hat ihren ersten Skandal. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL verhaftete in dieser Woche die niederländische Polizei den EDV-Abteilungsleiter der Behörde, den Franzosen Nicolas Pougnet, vorläufig. Dem hohen Europol-Beamten wird schwerer Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. Eine amtsinterne Untersuchung hatte ergeben, dass von Geldern für neue Computersysteme laut Europol offenbar mindestens 250000 Mark auf Privatkonten im Ausland abgezweigt wurden. Einige dieser Konten sollen sich bei Offshore-Gesellschaften auf den Bermudas befinden.
Der EDV-Experte, dessen Immunität inzwischen aufgehoben wurde, hatte auch Kontakt zum deutschen Bundesnachrichtendienst (BND). Bei Projekten für Spracherkennungssysteme kooperierte er mit darauf spezialisierten BND-Mitarbeitern, die Geld in die dubiose belgische Sprachtechnologiefirma Lernout & Hauspie investierten. Deren Gründer sitzt mittlerweile in Haft. Ein weiterer beteiligter Europol-Beamter arbeitet inzwischen als Polizist in Albanien. Ob für diese Geheimdienstconnection Europol-Gelder abgezweigt wurden, muss die niederländische Justiz nun ebenfalls prüfen. Der Skandal kommt der Europol-Führung höchst ungelegen, da sie ihre Zuständigkeiten weiter ausdehnen möchte. Nach Vorstellungen einiger EU-Mitgliedsstaaten soll Europol zu einem europäischen FBI ausgebaut werden. (DER SPIEGEL 24/01, Panorama Deutschland)