Saudi-Kronprinz warnt vor neuem Nahost-Krieg - DER SPIEGEL
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Saudi-Kronprinz warnt vor neuem Nahost-Krieg

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Mit drastischer Deutlichkeit hat der saudische Kronprinz Abdullah vor einem neuen Nahostkrieg gewarnt und Israels Ministerpräsident Ariel Scharon für die gefährliche jüngste Eskalation der Lage verantwortlich gemacht. "Wir alle sitzen auf einem Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann", sagte Abdullah und warnte unverhohlen vor ei-ner weltweiten Ausweitung der Kriegsgefahr. "Ein solcher Krieg würde nicht nur die Israelis und die Araber betreffen, sondern viele Teile der Welt", so der Saudi in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

"Der Blutzoll erreicht Ausmaße, die wir nicht länger hinnehmen können", mahnte der Kronprinz, der seit 1996 für den kranken König Fahd die Amtsgeschäfte führt. "Die israelische Kriegsmaschinerie richtet sich täglich gegen unbewaffnete Menschen, die ja höchstens Steine werfen", meinte der Saudi zu den militärischen Aktionen der Regierung in Jerusalem: "Scharons Politik zerstört die Zukunft Israels."

Abdullah räumte zwar ein, dass es - wie bei dem Anschlag auf eine Diskothek in Tel Aviv vergangene Woche - auch auf palästinensischer Seite Gewalt gebe, bezeichnete diese Attentate aber als "Ausdruck von Verzweiflung und Frustration". Zudem sei PLO-Chef Jassir Arafat nur dann in der Lage, den Aufstand seiner Landsleute zu stoppen, wenn Israel die "krebsgeschwürartige Ausweitung der Siedlungen in den Palästinensergebieten" aufgeben werde.

Der Kronprinz, der vergangene Woche Berlin besuchte, begrüßte das neue Engagement der US-Regierung ("Washington muss schnell handeln") und sah auch für die Europäer eine eigene Vermittlungsrolle. "Die Europäische Union besitzt das politische, moralische und strategische Gewicht dafür." Auch die Deutschen sollten in Nahost nicht zurückstehen. Abdullah wörtlich: "Die Verbrechen der Nazis an den Juden dürfen aber auch nicht dafür herhalten, dass jetzt Verbrechen an den Palästinensern hingenommen werden." (DER SPIEGEL 24/01, Seite 141)