Fußball im Fernsehen, das Milliardenspiel
Die Entscheidung des Liga-Verbandes, auf Wunsch der Kirch-Gruppe die Fußball-Bundesliga von der kommenden Saison an im frei empfangbaren Fernsehen erst um 20.15 Uhr zu zeigen, stößt in der Politik auf immer schärfere Kritik. Gegenüber dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagte die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis, der DFB sollte statt "Handlanger der wirtschaftlichen Interessen des Kirch-Konzerns" pflichtgemäß lieber "Anwalt des Volkssports Fußball" sein.
Die Landeschefin fordert ARD und ZDF ferner auf, von einem gesetzlichen Recht Gebrauch zu machen, das vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde: Danach dürfen die Öffentlich-Rechtlichen - um ihrer Informationspflicht Genüge zu tun - von jedem Bundesligaspiel bis zu 90 Sekunden im TV zeigen, "gegen ein angemessenes Entgelt" für die Rechteinhaber. Allein damit, so Simonis, ließen sich "spannende Sport-Nachrichten" senden. "ARD und ZDF gehen da viel zu zögerlich ran", kritisiert die Ministerpräsidentin, "schließlich haben die Länder dieses Recht verankert, damit sie als Programmveranstalter unabhängig bleiben. Man kann denen nur zurufen: Mehr Mut."
ARD-Chef Pleitgen kündigt gegenüber dem SPIEGEL derweil an, das Erste werde in der "Tagesschau" bei mindestens zwei Spielen Fußballbilder vom Tage zeigen - vor "ran". Zudem werde es in der "Sportschau" künftig aktuelle Fotos vom Bundesliga-Geschehen sowie Reporter-Statements gleich nach Spielende geben. Kommt es zu keiner Einigung mit der Kirch-Gruppe, will Pleitgen es auf einen offenen Konflikt ankommen lassen:"Dann müssen wir sehen, wie wir mit unseren Kameras in die Stadien kommen."
Wie DER SPIEGEL weiter berichtet, will der hochdefizitäre Kirch-Bezahlfernsehsender Premiere World mit einer neuen Preisoffensive versuchen, möglichst viele frustrierte Fußball-Fans zu Abonnenten zu machen. Vom 1. Juli an wird das "Sportpaket", das auch weiterhin drei Partien pro Spieltag enthalten soll, 44 statt bisher knapp 55 Mark kosten - allerdings nur in Verbindung mit einem Zweijahresvertrag.