Widerstand in der Wissenschaft gegen Experimente mit embryonalen Stammzellen
An der Universität Bonn formiert sich der Widerstand gegen die Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen (ES-Zellen). Volker Herzog, Direktor des Instituts für Zellbiologie, kritisiert das Vorpreschen seines Kollegen Oliver Brüstle. Herzog hat an der Universität Bonn einen Aufruf verfasst, der dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL vorliegt. Darin heißt es: "Wir sagen NEIN zur Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen." Weiter sagte Herzog dem Nachrichten-Magazin: "Ich habe Angst, dass man aus ES-Zellen einen genmanipulierten Menschen zusammenbasteln könnte."
Andere Bonner Forscher schließen sich dem Protest an und fordern eine breitere wissenschaftliche Diskussion. "Die ethischen Bedenken scheinen plötzlich wie weggepustet", sagte Gerhild van Echten-Deckert vom Institut für Organische Chemie und Biochemie der Universität Bonn dem SPIEGEL. "Ich finde es erschreckend, dass hier in Bonn demnächst junge Studenten und Doktoranden an menschlichen ES-Zellen herumexperimentieren könnten."
Der Arzt Thomas Heinemann vom Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn will ebenfalls eine Erklärung gegen Forschung an menschlichen ES-Zellen verfassen. "Die Möglichkeit, dass aus ES-Zellen komplette Menschen erwachsen könnten, ist noch überhaupt nicht ausgeräumt", sagte Heinemann dem SPIEGEL. (DER SPIEGEL 28/01, Seite 178)