Ex-Politbüromitglied Schabowski greift die PDS an
Das frühere SED-Politbüromitglied Günter Schabowski hat mit der PDS abgerechnet und eindringlich vor einem rot-roten Regierungsbündnis in Berlin gewarnt. "Das wäre ein äußerst unerfreulicher Treppenwitz der Geschichte. Ich habe jedoch noch einige Hoffnung, dass dies auch in den oberen Etagen der SPD noch bemerkt wird", sagte Schabowski in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Die PDS sei "nicht die Nachfolgepartei, sondern die Fortsetzungspartei der SED - nur ohne Moskau", urteilte Schabowski. Die SED-Erben versuchten lediglich, "die Phrasen ihrer Ideologie in die neue Zeit zu retten."
Die jüngste Erklärung des PDS-Vorstandes zum 40. Jahrestag des Mauerbaus ist nach Ansicht des früheren SED-Funktionärs "von der neuen Machtchance diktiert." Mit Moral habe das nichts zu tun, so Schabowski, der wegen seiner Mitverantwortung für die Mauertoten 1997 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Die Erklärung sei "gewunden" und "voller Rückversicherungen".
Schabowski begründete sein Misstrauen gegen die PDS im SPIEGEL mit eigenen Erfahrungen: "Als ich 1996 im Politbüroprozess erklärt habe, dass ich jedes Opfer des Grenzregimes zutiefst bedauere, dass die Mauer das Scheitern des Sozialismus belegt, hat sich das Fußvolk von Gysi und Hans Modrow über den ,Verräter Schabowski' das Maul zerrissen. Und diese Typen stecken jetzt ihre Köpfe aus den Kellerluken des untergegangenen Systems." (DER SPIEGEL 28/01, Seite 34)