Die Stasi-Akte des Hans Meyer
Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, Hans Meyer, war mehr als 16 Jahre lang Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Die Stasi warb den damaligen Oberliga-Trainer im Dezember 1971 als "Gesellschaftlichen Mitarbeiter Sicherheit" (GMS) an. Meyer (Deckname: "Hans Schaxel"), heißt es in der Akte, habe von Anfang an Wert auf "strengste Konspiration" gelegt, "zuverlässige und objektive Informationen" über die von ihm trainierten Spieler geliefert.
Laut SPIEGEL äußerte sich Meyer einem Stasi-Offizier gegenüber unter anderem abfällig über seinen zeitweiligen Assistenten Jörg Berger, der 1979 aus der DDR geflohen war. Später trainierte Berger unter anderem die Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Schalke 04. Berger habe einen "wenig mannhaften Charakter", wird Meyer in der Akte zitiert. Außerdem verriet er der Stasi Details aus dem Sexualleben und der gescheiterten Ehe des Kollegen.
Meyer sagte dem SPIEGEL, er könne "bei keinem Thema ruhiger schlafen als beim Thema Stasi". Zwar sei er in der DDR "nie als Widerstandskämpfer" aufgetreten. Doch habe er 1971 sogar das Angebot der Stasi ausgeschlagen, monatlich 300 Mark für Spitzeldienste zu erhalten. Borussia Mönchengladbach, Meyers Arbeitgeber, hat die Akte über einen Anwalt einsehen lassen und ist zu dem Urteil gekommen, dass die Angelegenheit, so Vizepräsident Rolf Königs, "für uns kein Vorgang" sei.
Jörg Berger sind die Aussagen Meyers über ihn nach eigenen Angaben aus seiner Opfer-Akte bekannt. Die Einlassungen Meyers seien "billig" und "völlig aus der Luft gegriffen", sagte Berger dem SPIEGEL. (DER SPIEGEL 30/01, Seite 98)