Ein Jahr nach dem Düsseldorfer Bombenanschlag Hinweise auf Sprengstoff aus dem Osten
Ein Jahr nach dem Bombenanschlag von Düsseldorf, bei dem zehn Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, hat die Polizei neue Erkenntnisse, die sie bei der Suche nach Motiv und Täter weiterbringen könnten. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, haben Untersuchungen ergeben, dass die Bombe "nicht industriell gefertigt", sondern von einem "Spezialisten" gebaut worden sein müsse. Lange Zeit ging die Polizei davon aus, dass der Sprengsatz eine im Ersten und Zweiten Weltkrieg benutzte Eierhandgranate ("Mills Bomb") war.
Mittlerweile, so DER SPIEGEL weiter, wisse die Polizei auch, dass der von dem oder den Tätern benutzte Sprengstoff TNT einen "verschwindend geringen Bestandteil TNB", also eines ähnlichen Explosivmittels, aufgewiesen habe. Dies sei möglicherweise eine "Verunreinigung in Folge einer nicht sauberen Herstellung", zitiert DER SPIEGEL ein Gutachten der Bundeswehr. Das hochbrisante TNT werde vielfach militärisch genutzt, Aufkäufer in den westlichen Armeen ließen ständig Chargen prüfen; Verunreinigungen sprächen deshalb auf jeden Fall gegen TNT aus Nato-Beständen. "Wahrscheinlich", zitiert DER SPIEGEL einen Ermittler, stamme "der Sprengstoff aus dunklen, östlichen Quellen."
Der Konstrukteur müsse, so ein Fahnder, ein "großes Know-how" gehabt haben. Es sei aber weiterhin "unklar, ob es sich um einen gezielten oder ungezielten Anschlag auf die Opfergruppe handelte, die an dem Tag zufällig in dieser Zusammensetzung am Tatort war", heißt es in einer internen Lageeinschätzung der Polizei. Auch die Tat eines Einzeltäters ohne Bezug zu den Opfern sei denkbar.
Laut SPIEGEL hat die Polizei darüber hinaus festgestellt, dass die in einer weißen Plastiktüte versteckte Bombe mit Zeitungspapier umwickelt gewesen sei, einem Anzeigenblättchen, das nur in bestimmten Stadtvierteln verteilt werde. In der Tüte hätten eine Plastikflasche und eine Dose Putzmittel gesteckt.
Bislang habe die Polizei über 1400 Personen vernommen, 340 Beweisstücke seien sicher gestellt und mehr als 300 Spuren abgearbeitet worden, berichtet DER SPIEGEL weiter. Bei neun Verdächtigen seien Wohnungen durchsucht worden. Die ursprünglich 80 Mann starke Sonderkommission sei mittlerweile auf zwei Beamte reduziert worden. (DER SPIEGEL 30/01, Seite 56)