Asbest-Alarm bei RWE - DER SPIEGEL
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Asbest-Alarm bei RWE

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zahlreiche Kraftwerksmitarbeiter des Stromkonzerns RWE sind offenbar über Jahrzehnte hinweg teilweise sehr hohen Asbestbelastungen ausgesetzt gewesen. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. DER SPIEGEL beruft sich dabei auf ein internes RWE-Vorstandsprotokoll vom 10. Juli diesen Jahres. Darin heißt es: Es sei, "davon auszugehen, dass bis Anfang der neunziger Jahre für Beschäftigte, insbesondere aus der Instandhaltung der Kraftwerke, Asbestexpositionen aufgetreten sind. Dieser Schluss ist naheliegend, da Fälle von Pleuramesothelium (Tumor des Rippenfells), der besonders typisch für Asbestexpositionen ist, aufgetreten sind."

Und weiter: "Durch zufällige Kenntnisnahme sind uns im Bereich des Kraftwerks Niederaußem in der Zeit von 1982 bis 2001 insgesamt zwölf Fälle einer asbestbedingten Krebserkrankung bekannt geworden." Es bestehe, heißt es in dem fünfseitigen Papier, daher "arbeitsmedizinischer Handlungsbedarf." Und der ist nach Informationen des SPIEGEL gewaltig. Rund 14.000 aktiven und ehemaligen Mitarbeitern des Konzerns sollen in den nächsten Wochen Angebote gemacht werden, sich medizinisch beraten und gegebenenfalls untersuchen zu lassen.

Benachrichtigt werden 4500 Mitarbeiter der RWE-Braunkohletochter Rheinbraun, rund 3000 Mitarbeiter der RWE-Power AG und rund 6500 Pensionäre. Auch Fremdfirmen, die in dem entsprechenden Zeitraum in den Kraftwerken gearbeitet haben, sollen nach Informationen des SPIEGEL über die Gefährdung in Kenntnis gesetzt werden. Erste Aushänge seien bereits in der vergangenen Woche an Schwarze Bretter im Konzern geheftet worden.

Wie das Nachrichtenmagazin weiter berichtet, hat RWE zur Zeit noch keinen Überblick, ob auch in den anderen Kraftwerken, die der Konzern besitzt oder an denen RWE beteiligt ist, Todesfälle durch Asbestverseuchung zu verzeichnen sind. Eine gerade ins Leben gerufene Arbeitsgruppe soll genaue Zahlen jedoch in den nächsten Monaten erheben.

Laut SPIEGEL weist der RWE-Konzern Vermutungen über eine Vertuschung von Fakten und mangelnder Vorsorge für die Arbeitnehmer von sich. Bereits in den achtziger Jahren habe man rund 300 besonders exponierte Arbeiter untersucht. Und auch in den Folgejahren habe für die Mitarbeiter das Angebot bestanden, sich medizinisch untersuchen zu lassen. Damit sei der Konzern nach eigenen Angaben weit über die gesetzlich notwendigen Bestimmungen hinausgegangen.

Allerdings nährt das Geheimprotokoll laut SPIEGEL genau an dieser Darstellung Zweifel. Und das nicht nur, weil den Mitarbeitern in den Aushängen die bereits bekannten Erkrankungen und die 12 Todesfälle verschwiegen werden. In einem Anhang zu dem Geheimprotokoll, so DER SPIEGEL, haben sogar die eigenen Kommunikationsfachleute des Konzerns Zweifel an der Glaubwürdigkeit der RWE-Argumentation geäußert.