Asylbewerber bei Abschiebung erdrückt - DER SPIEGEL
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Asylbewerber bei Abschiebung erdrückt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwei Jahre nach dem Tod des sudanesischen Asylbewerbers Aamir Ageeb an Bord einer Lufthansa-Maschine steht jetzt die Todesursache endgültig fest. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe berichtet, kommt ein abschließendes Gutachten des Münchner Rechtsmediziners Wolfgang Eisenmenger zu dem Schluss, dass Ageeb bei der Abschiebung durch drei Bundesgrenzschutzbeamte offenbar erdrückt wurde. Dagegen hatte ein Motorradhelm, der zunächst als Ursache für das Ersticken gegolten hatte, nach Eisenmengers Feststellungen keine entscheidende Rolle gespielt. Innenminister Otto Schily hatte den Einsatz von Helmen bei Abschiebungen unmittelbar nach dem Todesfall verboten.

Ageeb war im Mai 1999 im Flugzeug von Frankfurt nach Kairo gestorben. Das Blatt berichtet dazu, nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt habe das Begleitkommando aus drei BGS-Beamten Ageeb während der gesamten Startphase heftig nach unten gedrückt, was zur Erstickung geführt habe. Dabei seien Ageeb auch sechs Rippen gebrochen. Um das Unglück zu rekonstruieren, wurde die Abschiebung an Bord eines Lufthansa-Flugzeugs nachgestellt. Ein Rechtsmediziner habe dabei das Opfer gespielt.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, hat die Staatsanwaltschaft aber noch nicht endgültig entschieden, ob die drei BGS-Beamten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden. Die Polizisten beriefen sich darauf, dass es in den Vorschriften keinerlei Hinweise auf das tödliche Risiko beim Niederdrücken gegeben habe. Inzwischen werde jeder BGS-Beamte, der zu Abschiebungen eingeteilt werde, in einem speziellen Lehrgang auf solche Gefahren hingewiesen, schreibt das Blatt.