Finanzskandal beim Kolping-Bildungswerk - DER SPIEGEL
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Finanzskandal beim Kolping-Bildungswerk

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Ein neuer Finanzskandal belastet die katholische Kirche. Wie das Nachrichten-Maga-zin DER SPIEGEL meldet sollen Manager des Kolping-Bildungswerkes-Sachsen e.V., das Insolvenzantrag gestellt hat, mit waghalsigen Immobiliengeschäften mehr als 200 Millionen Mark verloren haben. Dabei, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft Dresden, sollen sie auch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Nach Erkenntnissen des Leipziger Insolvenzverwalters Joachim Voigt flossen über ein Firmengeflecht Kolping-Gelder in Höhe von mindestens 28 Millionen Mark an Gesellschaften, an denen Kolping-Manager, deren Ehefrauen oder Freunde beteiligt waren. Mitte Juni erstattete Voigt Anzeige wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue.

Am vorigen Donnerstag durchsuchten 80 Beamte des sächsischen Landeskriminalam-tes Wohn- und Geschäftsräume im gesamten Bundesgebiet. Dabei filzten die Ermittler im brandenburgischen Pinnow-Heideland auch das Haus des Ex-Kolping-Geschäftsführers Stephan Michalke. Über die Aktiengesellschaft Hogenee im sächsischen Lie-gau-Augustusbad, an der er und seine Frau maßgeblich beteiligt waren, wurden zahlreiche Bauvorhaben des Kolping-Werkes abgewickelt. An die Hogenee flossen nach Berechnungen des Insolvenz-Verwalters seit 1995 allein rund 22 Millionen Mark, nicht immer seien die Rechnungen "nachvollziehbar" gewesen.

Unter Michalkes Führung ließ das Kolping-Werk ein Studentenwohnheim in Greifswald und ein Schlosshotel bei Zwickau ausbauen, sowie neue Kolping-Zentralen in Leipzig und Dresden errichten. Finanziert wurden die Projekte meist über Bank-Kredite. Mit rund 100 Millionen Mark haben sich Geschäftsbanken, darunter die Deutsche Bank sowie die Düsseldorfer IKB, engagiert. Bei seiner Bautätigkeit verlor Michalke offenbar den Überblick über die Kolping-Gelder -Bankkredite, Mittel vom Arbeitsamt oder von Ministerien - die in einem zentralen Cashpool zusammenflossen.

Mehrmals warnte der Kolping-Wirtschaftsprüfer Franz Beckschäfer "vor unkalkulierbaren Risiken". Dennoch hatte Michalke die Unterstützung des Bischofs von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt. Als das Kolping-Bildungswerk bereits zahlungsunfähig und Firmen-Töchter überschuldet waren, gab das Bistum noch 4,5 Millionen Mark als Darlehen, die nun verloren sein dürften. Michalke selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen.