Berlin setzt auf Pakistans Geheimdienst - DER SPIEGEL
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Berlin setzt auf Pakistans Geheimdienst

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um die acht in Kabul inhaftierten Mitarbeiter des Hilfswerks Shelter Now, darunter vier Deutsche, vor harten Strafen zu bewahren, baut die Bundesregierung jetzt auf die Vermittlung des pakistanischen Geheimdienstes, weil der ISI (Inter-Services Intelligence) beste Verbindungen zur Spitze der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan besitzt. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL traf sich ein Sonderemissär Berlins in Islamabad mit ISI-Chef Mahmood Ahmed und lobte später dessen "sehr konstruktive Rolle".

Auf einen Wink des ISI, einst Pate und Ausrüster der afghanischen Gotteskrieger, erhielten die in Kabul ausharrenden westlichen Diplomaten Mitte voriger Woche über Vertrauensleute Zugang zu den Inhaftierten. Diese seien, so die Nachricht, "in guter physischer und psychischer Verfassung."

Neuerlichen Berichten, den Inhaftierten drohe wegen christlicher Missionierung womöglich das Todesurteil und die Hinrichtung, wurde von pakistanischer Seite wider-sprochen. Nach Erkenntnissen des ISI werde das islamische Oberste Gericht mit einer harten Strafe für die ausländischen Entwicklungshelfer zwar "ein Exempel statuieren", womöglich mit einem summarischen Urteil, das für alle Angeklagten die gleiche Strafe vorsieht. Doch müsse der Richterspruch von Mullah Mohammed Omar, dem geistli-chen Führer und de-facto-Oberhaupt des Taliban-Regimes, bestätigt werden. Der Mullah könne dann jedoch die Abschiebung der Ausländer anordnen und werde sich für diese "vernünftige Lösung" wohl auch entscheiden.