Bundeswehr-Eliteeinheit KSK schon viermal zur Festnahme von Kriegsverbrechern eingesetzt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bundeswehr-Eliteeinheit KSK schon viermal zur Festnahme von Kriegsverbrechern eingesetzt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, dessen Einsatz zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus derzeit zur Diskussion steht, hat bereits viermal im geheimen Auftrag bei der Festnahme von Kriegsverbrechern auf dem Balkan operiert. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Dreimal wurde die Elitetruppe in Bosnien, einmal im Kosovo eingesetzt.

Laut SPIEGEL setzte ein KSK-Kommando am 15. Juni 1998 in der serbischen Stadt Foca den Ex-Kommandanten eines bosnischen Internierungslagers, Milorad Krnojelac, fest. Ihm wird vorgeworfen, für den Tod von 29 Häftlingen und die Folterung von 59 weiteren Männern verantwortlich zu sein. Der Mathematiklehrer wartet derzeit auf sein Urteil beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, verhafteten KSK-Leute in der Nacht vom 1. zum 2. August 1999 ebenfalls in Foca den ehemaligen Paramilitär Radomir Kovac, der inzwischen wegen Vergewaltigung und sexueller Versklavung zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Am 12. Oktober vergangenen Jahres, so der SPIEGEL weiter, scheiterte der Zugriff auf den Anführer einer paramiltärischen serbischen Einheit, dem wegen Ver-gewaltigung angeklagten Janko Janjic. Janjic zündete bei seiner Festnahme im Haus seines Bruders in Foca eine Handgranate und sprengte sich selbst in die Luft. Drei KSK-Soldaten wurden dabei schwer verletzt.

Ein weiterer Einsatz fand am 20. August 1999 im Kosovo statt - und zwar im von deutschen Einheiten überwachten Sektor in Orahovac. Zusammen mit niederländischen Soldaten nahmen KSK-Männer drei mutmaßliche Kriegsverbrecher fest und überga-ben sie der Uno-Mission in Pristina.

Weil sich Serben wie Kroaten zunächst geweigert hatten, gesuchte Kriegsverbrecher - wie im Dayton-Vertrag vereinbart - auszuliefern, hatten die USA, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Deutschland die Suche nach ihnen zur gemeinsamen Aufgabe erklärt. Bosnien wurde in Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt und die Kriegsverbrecherjagd in der so genannten Planungszelle Stuttgart koordiniert. Dort legen militärische Geheimdienstler und Angehörige von Spezialkräften laut SPIEGEL fest, wer wann wo zuschlagen soll. Das deutsche KSK, das im baden-württembergischen Calw stationiert ist, wird zusammen mit einer französischen Spezialeinheit im Raum Foca eingesetzt. (DER SPIEGEL 39/01, Seite 42)