Afghanen-Führer Hekmatjar prophezeit den USA ein zweites Vietnam
Der frühere afghanische Premier Gulbuddin Hekmatjar will so schnell wie möglich aus dem iranischen Exil in seine umkämpfte Heimat zurückkehren und in den Machtkampf um Kabul eingreifen. "Ich gehöre in diesen Stunden an die Seite meines Volkes", kündigte er in einem Interview mit dem SPIEGEL an. Hekmatjar, der sich als eine dritte Kraft zwischen Taliban und Nordallianz sieht, will seine Truppen dabei in den Krieg gegen Amerika führen. Die USA würden sich "nach Vietnam zurücksehnen", prophezeit der Mudschahidin-Führer, der sich angeblich auf Tausende von Gefolgsleuten stützen kann: "Die USA sind in eine Falle geraten wie einst die Sowjets."
Beim Einsatz von Bodentruppen hätten sie "in den Bergen keine Chance". Wer sich an einer "Marionettenregierung von amerikanischen Gnaden" beteiligt, ist für Hekmatjar ein "Verräter". Dass er einst selbst von den Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Sowjets finanziert und munitioniert wurde, sieht er nicht als Widerspruch. Hektmatjar zum SPIEGEL: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die USA für genauso gottlos und verwerflich halte wie Russland - in Washington wollte das nur keiner hören."
Seinen guten Draht zum Terror-Paten Osama Bin Laden dementiert Hekmatjar nicht. Er verteidigt den Fanatiker als "Finanzier unserer gerechten Sache in Afghanistan" und "als guten Kumpel, der keinem Kampf gegen die Russen aus dem Wege gehen wollte." Der Afghanen-Führer sieht sich "nach anhaltenden Kämpfen" schon bald wieder in Kabul. In welcher Position lässt Hekmatjar offen: "Ich will mein Land wieder erblühen sehen, Posten sind da sekundär." (DER SPIEGEL 42/01, Seite 174)