Bomben auf Bagdad?
Der langjährige Generalstabschef von Saddam Hussein, Nisar al-Chasradschi, hat an die USA appelliert, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus nach Afghanistan nun den Irak ins Visier zu nehmen und dabei auch gezielte Bombenangriffe zu erwägen. "Die Zeit ist reif", sagte der General in einem Interview mit dem SPIEGEL.
"95 Prozent der Bevölkerung sind gegen Saddam und sein Regime", sagte der Militär. Die Menschen warteten auf eine Erlösung und ein Signal der internationalen Gemeinschaft. Das gelte auch für die Armee. "Schon im Golf-Krieg hätte die irakische Bevölkerung General Norman Schwarzkopf und seine amerikanischen Truppen mit Freuden begrüßt", meinte der General. Allerdings dürften Bomben nur gezielt auf Saddam und seine Machtzentralen gerichtet sein.
Chasradschi bestätigte auch, dass in Ausbildungslagern südlich von Bagdad Sondereinheiten, bestehend aus Irakern und Freiwilligen aus anderen arabischen Ländern, für Spezialeinsätze trainiert würden. Ihre Aufgaben seien Spionage, "vor allem aber Sabotage-Akte" gegen Brücken, Gebäude oder Flughäfen. "Über die wahren Ziele solcher Kommandos entscheidet nur einer: Saddam Hussein", sagte der General.
Chasradschi ist ranghöchster politischer Flüchtling Bagdads. Seit 1999 lebt er - zunächst unerkannt - mit Frau und Sohn in Dänemark, derzeit in der Nähe von Kopenhagen. Die dänische Justiz ermittelt gegen ihn wegen Kriegsverbrechen: Als Chef des Generalstabs soll er verantwortlich sein für die Giftgas-Angriffe auf die kurdische Stadt Halabdscha 1988.