Mordplan gegen Freunde des Reemtsma-Entführers Drach
Mit dem Fund von gut 600 000 Dollar aus dem Reemtsma-Lösegeld ist nach Angaben des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL auch ein gescheitertes Mordkomplott aufgeflogen. Laut SPIEGEL plante der 33-jährige Masseur Thomas S., bei dem Teile des Geldes gefunden wurden, die gesamte Clique des engsten Vertrauten des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, Bernd Kramer, umbringen zu lassen. Neben Kramer und dessen Bruder Jochen sollten demnach fünf weitere Personen sterben.
Vermutlich aus Angst, dass die Kramer-Brüder ihn wegen der Veruntreuung von 100 000 Dollar abstrafen könnten, die bei ihm deponiert gewesen seien, habe der Masseur einen 39-Jährigen für die geplante Exekution angeheuert. Erst als der vermeintliche Killer, der nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft bislang nicht einmal als Milieumitläufer aufgefallen sei, den irrwitzigen Plan abgelehnt habe, sei der Masseur auf die Idee verfallen, sich selbst von hinten von dem Mann anschießen zu lassen. Dabei sei er lebensgefährlich verletzt worden und liege zurzeit in einer Klinik. Laut SPIEGEL hatte Jochen Kramer dem Masseur 700 000 Dollar zur Aufbewahrung übergeben, die nach Einschätzung der Staatsanwälte aus dem Reemtsma-Lösegeld stammten. Jochen Kramer habe offenbar gefürchtet, dass Fahnder bei ihm nach dem Geld suchen könnten. Tatsächlich habe die Aachener Staatsanwaltschaft, so der SPIEGEL, seit vergangenem Jahr gegen Bernd Kramer wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Hehlerei ermittelt.
Bernd Kramer, der am 4. November ohne die 700 000 Dollar aus Belgien in seine Wahlheimat Brasilien zurückkehrte, war laut SPIEGEL im Juni in Rio Opfer eines Raubüberfalls geworden. Vier Gangster hätten ihn gezwungen, den Safe in seiner Penthousewohnung zu öffnen. Sie seien mit 140 000 Dollar entkommen, die vermutlich auch aus dem Reemtsma-Lösegeld stammten. Der Polizei habe Bernd Kramer die Erklärung aufgetischt, er habe diese Summe aus einer Wechselstube bezogen und das Geld in seiner Steuererklärung deklariert. Nach Angaben des SPIEGEL ist der Fall für Kramer damit allerdings nicht ausgestanden. Denn tatsächlich habe er nie eine Steuererklärung in Rio abgegeben.