Wehrpflichtige im Auslandseinsatz - DER SPIEGEL
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Wehrpflichtige im Auslandseinsatz

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Bundeswehr schickt in beträchtlichem Umfang auch reguläre Rekruten zu den riskanten Auslandseinsätzen. Dies geht laut dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL aus einer vertraulichen Statistik des Verteidigungsministeriums hervor. Die Bundeswehr hatte bisher den Eindruck zu vermitteln versucht, dass praktisch nur solche Wehrpflichtige eingesetzt würden, die freiwillig mehr als die bisher obligatorischen zehn Monate Wehrdienst leisten. So streuten die Militärs, wegen der aufwendigen Ausbildung lohne es nicht, gewöhnliche Wehrpflichtige (Kürzel: "W-10") zu Aktionen fern der Heimat zu entsenden.

Tatsächlich aber sind laut SPIEGEL bei den Friedenstruppen auf dem Balkan mehr als zehn Prozent der Soldaten im Mannschaftsdienstgrad (Gefreiter bis Oberstabsgefreiter) W-10-Rekruten. Sie hätten sich vorher bereit erklärt, im Ausland zu dienen. Von den rund 7800 deutschen Soldaten, die im Dezember auf dem Balkan waren, gehörten laut der internen Auflistung 3569 zur Gruppe der Mannschaften. Weniger als die Hälfte davon (1643) seien Zeitsoldaten gewesen, die reguläres Gehalt beziehen und sich für mindestens vier Jahre verpflichtet haben.

"Ohne die W-10er wären wir aufgeschmissen", zitiert das Blatt aus dem Ministerium, denn die meisten seien "Spezialisten" - etwa Computer-Fachleute oder Mechaniker. Seit 1. Januar beträgt der Grundwehrdienst nur noch neun Monate. Für Afghanistan ist der Einsatz von Rekruten, die nur den Neunmonatsdienst ableisten, dem SPIEGEL zu Folge bislang nicht vorgesehen.