Amerikaner nehmen mutmaßlichen Taliban-Kämpfer aus Bremen fest - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Amerikaner nehmen mutmaßlichen Taliban-Kämpfer aus Bremen fest

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf der Liste der Gefangenen, die das US-Militär aus Afghanistan ins Lager Guantanamo auf Kuba ausfliegen will, steht auch ein 19-jähriger Türke aus Bremen. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet, haben US-Soldaten den Mann Anfang des Monats festgenommen; die Bundesregierung sei von den Amerikanern über den Fall informiert worden. Der junge Türke, geboren und aufgewachsen an der Weser, sei am 3. Oktober von Frankfurt am Main zunächst nach Pakistan geflogen. Die Amerikaner verdächtigten ihn, sich den Taliban oder gar der Bin-Laden-Organisation al-Qaida angeschlossen zu haben. Aus diesem Grund sei auch geplant, ihn auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay zu internieren. Der Schiffsbau-Azubi stehe bereits auf der Transportliste. Inzwischen sei gegen den Mann auch in Deutschland ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet worden. In diesem Zusammenhang werde gleichzeitig gegen drei weitere Männer aus dem Umfeld des Verdächtigen ermittelt. Unter ihnen befindet sich laut SPIEGEL auch der Vorbeter einer Bremer Moschee. Nach Angaben des Blattes gilt die Identität des 19-jährigen aufgrund des bei ihm gefundenen türkischen Reisepasses als gesichert. Vor seiner Reise habe der Mann gegenüber Bekannten und Familienangehörigen angegeben, er wolle in Pakistan verschiedene Koranschulen besuchen und nach etwa vier Wochen nach Deutschland zurückkehren. Für einen 25-jährigen türkischen Freund, der den mutmaßlichen Taliban-Kämpfer nach Pakistan habe begleiten wollen, sei die Reise bereits am Frankfurter Flughafen zu Ende gewesen: Wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe sei er vom Bundesgrenzschutz vorübergehend festgenommen worden und habe in Deutschland bleiben müssen. Der 19-jährige sei daraufhin allein gereist. Vor allem im Auswärtigen Amt in Berlin, so der SPIEGEL, habe große Erleichterung geherrscht, nachdem klar gewesen sei, dass der Verdächtige Bremer nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitze. Andernfalls hätte das Ministerium die konsularische Betreuung übernehmen müssen.