Stasi-Spitzel bei Olympia
Auch an den vierten Olympischen Winterspielen nach dem Ende der DDR nehmen einstige Stasi-Spitzel teil. So marschierte laut einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL der Thüringer Sportfunktionär Karl-Heinz Wolf bei der Eröffnungsfeier am vorvergangenen Samstag in Salt Lake City mit der Mannschaft Moldawiens ein, die ihn als Betreuer akkreditiert hatte.
Wolf, im Hauptberuf Sportdirektor des WSV Oberhof, aus dem viele deutsche Medaillengewinner kommen, habe von 1975 bis 1989 in dem damaligen Armeesportclub als IMS "Ernst" des Ministeriums für Staatssicherheit gewirkt. Dem SPIEGEL zufolge berichtete er unter anderem intime Details über den ehemaligen Biathlon-Juniorenweltmeister Andreas Heß, etwa, dass dieser "wahrscheinlich bei der Ausgangsüberschreitung die gesamte Nacht bei einem Mäd-chen" gewesen sei.
Auch andere Vergehen von Sportlern wie den Besitz von Westgeld habe der langjährige Cheftrainer an die Stasi gemeldet, außerdem habe er über "starke charakterliche Schwächen" des amtierenden Bundestrainers Frank Ullrich berichtet. Wolf bestreitet, IM der Stasi gewesen zu sein. Für Heß sei Wolfs Olympia-Teilnahme ein Beweis, dass "diese Menschen kein Gewissen und keine Moral kennen".
In seiner Opferakte hat der ausgemusterte Heß zudem negative Berichte über sein Privatleben gefunden, die IMS "Horst Sommer" geliefert hatte. Unter diesem Decknamen führte, so der SPIEGEL weiter, das MfS seinen ehemaligen Trainer Harald Böse, der nun die deutschen Biathlon-Damen betreut.