Doch keine Notwehr bei den Schüssen von Berlin - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Doch keine Notwehr bei den Schüssen von Berlin

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat drei Jahre nach den blutigen Kurdenkrawallen in Berlin seine Sicht der Ereignisse korrigiert. Bei dem Sturm auf das israelische Generalkonsulat in Berlin waren 1999 vier Kurden durch Schüsse israelischer Sicherheitsbeamter gestorben. Israel hatte den tödlichen Einsatz bisher stets damit gerechtfertigt, die Männer hätten in Notwehr gehandelt. "Aus heutiger Sicht zeigt sich, dass es keine Notwehr war", erklärte Primor in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Es habe sich inzwischen herausgestellt, dass die Kurden weder Geiseln nehmen wollten noch irgend jemanden umbringen. Primor: "Ich denke mit Schmerz und Beklommenheit daran, dass damals Menschen getötet wurden, die nicht hätten sterben müssen." Die Sicherheitsleute nahm er dennoch in Schutz: Sie hätten damals davon ausgehen müssen, dass für das Konsulatspersonal höchste Lebensgefahr bestand. "Sie reagierten aus der Angst heraus, es mit gefährlichen Terroristen zu tun zu haben."

Der heutige Vize-Präsident der Universität von Tel Aviv kritisierte auch Ariel Scharons Kurs der harten Hand gegen die Intifada der Palästinenser. "Sein Kurs soll die Bevölkerung beruhigen, aber er bringt keine Sicherheit." Israel reagiere nach so vielen Angriffen mitunter "zu aggressiv", sagt Primor. "Oft agieren wir mehr aus Wut, Angst, Erniedrigung und verletzter Ehre."