Brunsbütteler Kraftwerksbetreiber ignorierten Warnungen
Die Leitung des Kernkraftwerks Brunsbüttel (KKB) gerät wegen des Explosionsunfalls im vergangenen Dezember weiter unter Druck. Dass in Siedewasserreaktoren (SWR) unter dem Ein.uss der Strahlung durch eine so genannte Radiolyse zündfähiges Knallgas entstehen könne, sei in der Vergangenheit regelmäßig Gegenstand von Debatten in Fachkreisen gewesen, bestätigten Experten nach einer Sitzung der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung am vergangenen Donnerstag. Entsprechende Warnmeldungen seien mehrfach an alle Reaktorbetreiber gegangen. Im Gegensatz zu den Brunsbüttlern hätten andere SWR-Betreiber die Konstruktion des besonders gefährdeten Deckelkühlsystems verändert, damit sich kein explosives Gasgemisch bilden könne. Auch nach dem Störfall blieben die KKB-Betreiber wochenlang bei der harmlosesten Interpretationsmöglichkeit ("spontane Dichtungsleckage), obwohl mehrere in der Schaltzentrale registrierte Indizien auf einen schwer wiegenden Vorfall hindeuteten. Schon am 19. Dezember, fünf Tage nach der Explosion, fragte die Kieler Atomaufsichtsbehörde nach der Möglichkeit einer "Radiolysegasreaktion. Mitte Januar forderte dann auch der mit dem Störfall befasste TÜV Nord bei einem externen Fachmann eine Expertise an, die die Möglichkeit einer Knallgas-Explosion als Auslöser untersuchen sollte. Erst vier Wochen später erklärten sich die Betreiber bereit, den lädierten Reaktor herunterzufahren, um der Sache auf den Grund zu gehen.