EU-Kommissarin will Stromkonzernen Milliarden-Rückstellungen entziehen
Die Brüsseler Energie-Kommissarin Loyola de Palacio hat die europäische Strombranche in helle Aufregung versetzt. Sie will den Konzernen ihre Milliarden-Rückstellungen für einige Jahre entziehen und das Geld in einen öffentlichen Fonds einbringen. Der Ertrag aus diesem Topf soll Atomkraftwerksbetreibern in EU-Beitrittsländern wie Litauen, Bulgarien oder Tschechien zugute kommen: Die könnten damit ihre Meiler auf europäisches Sicherheitsniveau bringen oder sie abwracken, so Palacios Absicht. Über Jahrzehnte hinweg haben die Stromversorger Rückstellungen gebildet, um die Endlagerung für atomaren Abfall zu finanzieren und - in 30 oder 40 Jahren - den Abriss der Meiler zu bezahlen. Allein die deutschen Versorger haben 40 Milliarden Euro an Rückstellungen angehäuft. Nach Palacios Vorstellungen sollten sie das Kapital so lange unter Brüsseler Kuratel geben, bis sie selbst die Rückstellungen benötigten. Die Konzerne betrachten das Ansinnen der Kommissarin als Enteignungsversuch. Top-Manager deutscher Stromkonzerne haben sich vor drei Wochen zu einem Krisengipfel getroffen und sich darüber verständigt, gemeinsam gegen den Plan anzugehen.