Giorgio Armani beklagt den Größenwahn seiner Branche - DER SPIEGEL
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Giorgio Armani beklagt den Größenwahn seiner Branche

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Modeschöpfer Giorgio Armani kritisiert Fusionszirkus, Größenwahn und Expansionsfieber seiner rezessionsgebeutelten Konkurrenz: "Es gab eine Zeit, als jede Modemarke sich einen Palast mit sieben Geschossen bauen musste, wenn die Konkurrenz gerade fünf präsentiert hat", sagte er in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL vorm Start der Mailänder Modewoche. "Als Geschäfte auch dort eröffnet wurden, wo sie sich nie lohnen würden. Als aus lauter Angst, zu spät zu kommen, Märkte erschlossen wurden, die gar keine waren."

Mit dem heutigen Luxusbegriff, "bei dem das Produkt selbst eine immer unbedeutendere Rolle spielt", könne er "nichts anfangen". Schuld an der Entwicklung sei aber auch die Kundschaft: "Man muss es leider sagen: Die Leute sind unkritisch. Heutzutage werden die Kunden viel stärker von einer Reklameaussage gelenkt als vom eigentlichen Produkt", sagte er dem SPIEGEL. "Ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht. Irgendwann müssen die Leute ja entdecken, dass viele Marken nur noch aus aufgeblasener Werbung bestehen."

Armani selbst ist mittlerweile einer der letzten konzernunabhängigen Modeschöpfer und will sein Imperium bis auf weiteres nicht verkaufen: Flops wie Jil Sander, das von Prada erobert wurde, seien "typische Beispiele. Jil baute ihr Unternehmen ganz auf dem eigenen Image auf, wurde übernommen und sah sich plötzlich von Leuten umgeben, die für sie die Entscheidungen trafen". Für einen echten Kreativen sei das "sehr deprimierend". Das Mode-Metier aber sei "gnadenlos". Auch ein Börsengang, wie ihn Prada und Burberry derzeit planen, kommt für den 67-Jährigen nicht in Frage, weil man dann "vom Markt dirigiert" werde. "Aktionäre wollen Zahlen sehen. In der Mode ist zwei mal zwei aber nicht immer vier."