Neuer Korruptionsverdacht bei der Bahn
Die Deutsche Bahn AG (DB) hat möglicherweise eine neue Korruptionsaffäre: Die Staatsanwaltschaft Hannover hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil beim Bau der ICE-Trasse Ingolstadt-München das "Ausschreibungsverfahren bezüglich eines Bauabschnitts wettbewerbsbeschränkend manipuliert worden sein könnte". Ermittler durchsuchten Privatwohnungen von DB-Mitarbeitern und Beschäftigten der GP Papenburg Baugesellschaft in Hannover. Das Unternehmen führt eine Bietergemeinschaft an, die im Februar den Zuschlag für einen 263 Millionen Euro teuren Streckenabschnitt erhalten hat, obwohl ihr Angebot ursprünglich teurer war, als das der Konkurrenz, so der Verdacht der Ermittler. Die GP Papenburg Baugesellschaft bestreitet die Vorwürfe.
Die DB AG hat inzwischen einen Mitarbeiter in Nürnberg fristlos gekündigt. Dennoch wirft der Fall ein schlechtes Licht auf den Anti-Korruptions-Kampf der von Bestechungsfällen geplagten Bahn. Die Firma des Baumagnaten Günter Papenburg, der gute Beziehungen zu hochrangigen Politikern unterhält, beschäftigt nämlich schon seit Jahren die Staatsanwaltschaft, unter anderem wegen möglichen Betrugs und mutmaßlicher Bestechung beim Ausbau der ICE-Strecke Hannover-Berlin. Die DB AG hatte daraufhin Anfang Januar - also vor der neuen Auftragsvergabe - Strafanzeige gegen die niedersächsische Firma gestellt, weil auch die eigene Innenrevision zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Eisenbahner um Millionen geprellt wurden.