Boris Becker will gestehen / Steuerprozess wird eröffnet
Der Fall Boris Becker steht kurz vor dem Abschluss. In zwei Gesprächsrunden mit der Richterin Huberta Knöringer und dem Staatsanwalt Matthias Musiol haben Beckers Anwälte eine Einigung erreicht, die für den ehemaligen Tennisprofi schmerzhaft ist, ihm aber einen peinlichen Prozess und eine mögliche Freiheitsstrafe erspart. Demnach wird das Gericht die Anklage wegen Steuerhinterziehung zulassen und das Verfahren eröffnen, aber schon am ersten Tag wieder beenden. Denn Becker soll gestehen und dafür eine zweijährige Haftstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, akzeptieren. Außerdem muss er die mutmaßlich hinterzogenen 10,41 Millionen Mark plus Zinsen - insgesamt etwa 6,5 Millionen Euro - nachzahlen (SPIEGEL30/2002). Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung sind sicher, dass Becker Anfang der neunziger Jahre einen Scheinwohnsitz in Monte Carlo unterhielt, während er in Wahrheit in München gelebt habe und deshalb auch unbeschränkt in Deutschland steuerpflichtig gewesen sei. Becker, der sich vor allem gegen das Geständnis lange gewehrt hat, will den Deal nun offenbar akzeptieren. Damit gibt es nur noch ein Hindernis für den zügigen Abschluss des spektakulären Verfahrens: die Finanzierung der dann fälligen Steuernachzahlung. Der dreimalige Wimbledonsieger muss sich dafür wohl einige Millionen Euro leihen. "Solange das Geld nicht eingegangen ist", so ein Kenner des Falls, "betrachten wir die Einigung noch nicht als endgültig."