Streit zwischen CSU und Strauß-Familie bahnt sich an / Strauß-Sohn Franz Georg besucht Waffenhändler Schreiber in Kanada
In der Affäre um den Lobbyisten Karlheinz Schreiber bahnt sich zwischen der CSU und den Kindern des 1988 verstorbenen Parteivorsitzenden Franz Josef Strauß offenbar ein heftiger Streit an. Der vor einem Haftbefehl der bayerischen Justiz nach Kanada geflohene Schreiber hatte im Mai vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages behauptet, dass 5,2 Millionen Mark auf einem Schweizer Rubrikkonto mit dem Decknamen "Maxwell" für einen Geheimfonds der CSU bestimmt gewesen seien. Die CSU bestreitet vehement, jemals solche Spenden erhalten zu haben. Doch ausgerechnet die Familie des einstigen CSU-Patriarchen müht sich massiv, Belege für die bislang unbewiesene Behauptung Schreibers in die Hand zu bekommen. Denn seine Aussage entlastet den ältesten Strauß-Sohn Max, den die Augsburger Staatsanwaltschaft wegen einer Provisionszahlung Schreibers über 5,2 Millionen Mark in Zusammenhang mit einem Airbus-Geschäft der Steuerhinterziehung beschuldigt. Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass der Deckname "Maxwell" für Max Strauß steht. Diese Theorie hofft die Familie Strauß zu erschüttern - zu Lasten der CSU. Am vorvergangenen Wochenende reiste eigens der jüngere Bruder Franz Georg nach Kanada und konfrontierte Schreiber in einem Hotel in Ottawa mit einem zweiseitigen Fragenkatalog des Münchner Anwalts Wolfgang Dingfelder, dem Strafverteidiger von Max Strauß. Ziel der Fernreise: Schreiber sollte Namen und Fakten nennen. Bruder Franz Georg und ein mitgereister Münchner Wirtschaftsprüfer wollten unter anderem wissen, ob der Lobbyist seinen Geschäftsfreund Max Strauß jemals über das Schweizer "Maxwell"-Konto informiert hat und ob es weitere Zahlungen an die CSU gab. Schreiber erklärte inzwischen, er habe persönlich nichts gegen eine Aussage in der Causa Strauß, werde sich aber zunächst mit seinen Anwälten beraten. Offiziell seien die Augsburger Ermittler noch nicht an ihn herangetreten. Die Strafverfolger wollen in Kürze entscheiden, ob sie gegen Max Strauß Anklage erheben.