Drastischer Personalabbau bei der "Frankfurter Rundschau"
Ein weiterer dramatischer Personalabbau und ein Wechsel in der Chefredaktion steht der "Frankfurter Rundschau" bevor: Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG, die auf Veranlassung der "Rundschau-Banken" entstanden ist, kann das hoch defizitär arbeitende "Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH" nur mit einem sofort einzuleitenden rigiden Sparkurs gerettet werden, der weit über die bereits geplanten Kürzungen hinausgeht. So soll das Blatt künftig nur noch von einem Chefredakteur geführt werden - bislang teilen sich Jochen Siemens und Hans-Helmut Kohl diese Aufgabe. Die Zahl der Geschäftsführer soll von vier auf drei sinken, die der Prokuristen sogar von sieben auf drei - und das bis zum Ende dieses Monats. Ferner soll bis zum 30. November ein neues redaktionelles Konzept erarbeitet werden, das mit deutlich weniger Redakteuren auskommt - die Rede ist von einem Abbau von 30 Stellen. "Wir müssen bis Ende Oktober personelle und strukturelle Veränderungen vornehmen", bestätigt Chefredakteur Siemens. Die Entscheidung über die Chefredaktion dürfte indes bereits bis kommenden Mittwoch fallen. Insgesamt sollen im Unternehmen laut der KPMG-Studie bis Ende 2003 zusätzlich 90 Kündigungen erfolgen, weitere 60 Stellen sollen bis Ende 2004 durch Fluktuation entfallen. Im laufenden Jahr hatte das Druck- und Verlagshaus bereits von 1567 Stellen auf 1420 Stellen abgebaut; erst Mitte August wurden weitere 50 Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen. Die verbleibenden Beschäftigten müssen sich offenbar an der Sanierung beteiligen: Laut einer Betriebsratsinformation vom Donnerstag soll von der Belegschaft ein "Sonderopfer" in Höhe von "circa zehn Millionen Euro einkassiert werden". Dem Schreiben zufolge steht auch ein redaktionelles Notopfer bereits fest: Danach soll die samstägliche Magazinbeilage eingestellt werden, mit der das Blatt seit April 2000 jüngere Leser anzusprechen versucht; künftig solle "nur noch eine achtseitige Reisebeilage erscheinen". Chefredakteur Siemens sagt indes, eine Entscheidung über die Einstellung des Magazins sei "noch nicht gefallen". Auch "FR"-Geschäftsführer Hans Peter Volz legt Wert auf die Feststellung, dass über die Umsetzung der KPMG-Empfehlungen noch nicht das letzte Wort gesprochen sei: "Wir müssen das in unseren Gremien erst diskutieren, es sind noch keine Entscheidungen gefallen."